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27/7/2007

Rückblick - Weltjugendtag 2005

XX. Weltjugendtag 2005: wie sieht das Marienfeld heute aus? Im August 2005 fand auf dem ehemaligen Tagebaugelände der RWE Power AG in Kerpen – dem s.g. Marienfeld - die Abschlussmesse des XX. Weltjugendtages statt. Mehr als eine Million Menschen hatten sich auf dem Gelände um den zehn Meter hohen Altarhügel versammelt, um mit Papst Benedikt XVI. die Abschlussmesse zu feiern. Fast zwei Jahre nach diesem Ereignis wurde die seinerzeit genutzte Fläche, die heute wieder als landwirtschaftliche Nutzfläche dient, auf etwaige verbliebene Schäden hin untersucht.

Für den Weltjugendtag war auf dem Gelände die Erstellung eines temporären Wegenetzes mit einer Gesamtlänge von ca. 43 km erforderlich, das extremen Belastungen standhalten sollte. So musste z.B. die Befahrbarkeit mit Rettungsfahrzeugen auch bei starken Niederschlägen gewährleistet sein. Nach der Veranstaltung wurde das Wegenetz fast vollständig wieder zurückgebaut und der landwirtschaftlichen Nutzung wieder zugeführt. Um Ernteausfälle – und damit Schadenersatzansprüche der Landwirte - zu vermeiden, durfte die Fläche nicht über ein bestimmtes Maß hinaus verdichtet werden.

Um Zeit und Kosten zu sparen und trotzdem die Anforderungen hinsichtlich Brauchbarkeit und Verdichtung erfüllen zu können, sollte der Aufbau möglichst schlank und leicht sein, was jedoch mit konventionellen Schichtstärken nicht zu erreichen war. Man entschied sich daher für den Einsatz des Geogitters Tensar SS20-G (ca. 250.000 m2). Dieses Kombinationsprodukt besteht aus einem zweiaxial gestreckten, knotenfesten und monolithischen – und daher form- und zellstabilen - Geogitter, auf dem ein Vliesstoff GRK 3 auflaminiert ist. Der Vliesstoff erfüllt hierbei die Trennfunktion.

Durch die verzahnende Wirkung des auf die Maschenweite des Geogitters abgestimmten Tragschichtmaterials entsteht eine Plattenwirkung, die den Lastausbreitungswinkel deutlich erhöht und damit die auftretenden Lasten auf eine größere Fläche verteilt („Schneeschuheffekt“). Die Ermittlung der erforderlichen Aufbaustärken wurde in Abhängigkeit der zu erwartenden Lasten – auch unter Berücksichtigung des erheblichen Baustellenverkehrs - durchgeführt und mit dem Tensar eigenen Bemessungsprogramm CBR ermittelt. Für die Hauptfahrwege ergaben sich ca. 35 cm aufzubringende Tragschicht, für alle anderen Bereiche 20 cm. Als Tragschichtmaterial wurde überwiegend Lava-Schotter sowie teilweise Grauwacken-Schotter eingesetzt.

In Teilbereichen (ca. 25.000 m2) kam ein alternatives Kombinationsprodukt eines anderen Herstellers zum Einsatz. Es handelte sich hierbei um ein s.g. gerascheltes Geogitter (von der Struktur her ähnlich einem gewebten Geogitter – siehe Merkblatt über die Anwendung von Geokunststoffen im Erdbau des Straßenbaues, Ausgabe 2005, Seite 10) und einem aufgebrachten Vliesstoff. Die Kurzzeitzugfestigkeit dieses Kombinationsproduktes lag deutlich über dem des o.g. SS20-G.

Die Verdichtung des Bodens wurde vor und nach dem Weltjugendtag mittels umfangreicher Messungen beobachtet und dokumentiert. Es wurde festgestellt, dass sich auf den Flächen mit dem geraschelten Geogitter deutlich höhere Verformungen (ca. Faktor 20) zeigten als auf den Flächen, die mit dem Tensar SS20-G bewehrt wurden. Besonders im Bereich der Busfahrspur wurde dies deutlich. Es kam zu einer Spurausbildung und einem seitlichen Ausweichen des Tragschichtmaterials. Es kann davon ausgegangen werden, dass hierfür die andere Funktionsweise (Membran¬spannung) verantwortlich war, wogegen die form- und zellstabilen Tensar-Geogitter nach dem Gewölbeprinzip funktionieren. Die Form – und Zellstabilität der biaxialen Tensar Geogitter ist eine direkte Folge der hohen Knotenfestigkeit (100% der Kurzzeitzugfestigkeit) und der rechteckigen Rippenform. Das Schüttmaterial kann sich seitlich abstützen und bildet dadurch ein Gewölbe aus.

Auch dieses Beispiel zeigt wieder eindrucksvoll, dass biaxiale Geogitter nicht ohne weiteres gegeneinander ausgetauscht werden können – selbst dann nicht, wenn das alternative Produkt über eine deutlich höhere Kurzzeitzugfestigkeit verfügt. Das bereits oben erwähnte Merkblatt stellt nicht umsonst die unterschiedlichen Geogittertypen heraus. Weiterhin haben umfangreiche Untersuchungen (z.B. TRL in England und CROW in den Niederlanden) die hohe Leistungsfähigkeit der biaxialen Tensar-Geogitter gegenüber anderen Geogittertypen bestätigt. Die Untersuchungsergebnisse stellen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Was bedeutet dies für die Baupraxis? Geogitter können nicht ohne weiteres gegeneinander ausgetauscht werden. Den Baufirmen, die billige Alternativen anbieten möchten, sei geraten, sich die Gleichwertigkeit hinsichtlich der Leistungsfähigkeit vom Anbieter schriftlich bestätigen zu lassen – auch um Haftungsrisiken für sich selbst auszuschließen. Biaxiale Geogitter werden normalerweise „tief unten“ eingesetzt. Aus dem Hochbau ist bekannt, dass ein Gebäude nur dann dauerhaft steht und setzungs- und rissfrei bleibt, wenn das Fundament bzw. die Bodenplatte in Ordnung ist. Bei Tragschichten gilt das Gleiche. Ein vermeintliches Sparen an dieser Stelle kann sehr schnell zu einem unkalkulierbaren Schadenrisiko führen, das u.U. die Existenz des gesamten Unternehmens gefährden kann.

Des Weiteren sei darauf hingewiesen, dass auch der richtige Einbau der Geogitter für das Funktionieren von elementarer Bedeutung ist. Lassen Sie sich daher vom Anbieter von Geogittern die Verlegeanleitungen geben. So ist z.B. bei vielen Geogitterarten u.U. eine seitliche Verankerung erforderlich. Für die Kalkulation innerhalb der Baufirmen bedeutet dies

- Mehr Material, da häufig nur die abgedeckte Fläche vergütet wird
- Mehr Arbeit, weil die Verankerung zu bauen ist.

Das auf den ersten Blick billigere Geogitter muss nicht unbedingt das wirtschaftlichste sein. Mehrmaterial, Mehrarbeit und ein evtl. höheres Risiko sollten bei der Abschätzung mit einfließen