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29/11/2007

Fünf-Sterne-Quartier für ein tolles Tigerpaar

Der als bester in seiner Kategorie prämierte Zoo Deutschlands - nordöstlich von Berlin gelegen - soll spätestens zu Pfingsten 2008 um eine weitere Attraktion reicher werden. Schon während der Grundsteinlegung im Juli dieses Jahres sprach Zoodirektor Bernd Hensch selbstbewusst von der „größten und schönsten Tigeranlage in Europa“, in der sich die vom Aussterben bedrohten Tiere wohl fühlen sollen. Sie bekommen ein unterirdisches Tigerhaus, einen Teich, einen Berg aus Findlingen und eine eiszeitlich gestaltete Landschaft. Der 52jährige promovierte Zoochef setzt - wie auch bei allen anderen Gehegen - auf eine naturnahe Anlage. Ohne Zaun, nur durch einen zehn Meter breiten Graben gesichert. Zoobesucher werden die selten gewordenen Tiere ohne störende Zäune beobachten können. Eingebettet wird das Gehege in eine eiszeitliche Gletscherlandschaft, deren Bau durch die EU gefördert wird. Vor der Tigeranlage wird ein Gletscherspielplatz errichtet. Dort sollen Kinder spielerisch lernen können, was Gletscher sind und wie die Eiszeit vor Tausenden Jahren unsere Landschaft mit Grundmoräne, Endmoräne, Sander und Urstromtal prägte. Von den Gletschern aus haben die Kinder dann den besten Blick auf die Tiger. Um die Tigeranlage herum führt ein Besucherweg, der auch über das Tigerhaus führt. Eine behindertengerechte Besucherplattform und ein Beobachtungsturm schaffen direkte Nähe zu den Amurtigern, von denen es weltweit nur noch 300 Exemplare in der freien Wildbahn gibt. Durch eine Panzerglasscheibe wird man die Tiere auch beobachten können, wenn sie im 500 Quadratmeter großen Teich schwimmen. Rund 700.000 Euro kostet der Bau des ein Hektar großen Areals. Die Stadt braucht keinen Cent dazu zu geben. 75 Prozent werden durch ein polnisch-deutsches Förderprogramm der POMERANIA getragen, der Rest wird über Spenden und zahlreiche Werbeaktionen finanziert, die der gebürtige Eberswalder Zoochef mit unermüdlichem Einsatz und PR-Geschick initiiert. Allein Radrennen unter dem Motto „Unsere Tiger sind die Sieger“ haben in den letzten 3 Jahren über 100.000 Euro eingebracht. Der Zoodirektor, der seit der Wende den Zoo immer weiter ausgebaut hat, macht keinen Hehl daraus, dass der Bau mit konventionellen Bauverfahren nicht hätte finanziert werden können. Der mit der Planung beauftragte Bauingenieur Jürgen Kalisch, unter dessen Regie auch alle anderen Projekte - wie zuletzt das Löwenhaus und die Kamel-Anlage - gebaut wurden, habe ihn auf Geogitter aufmerksam gemacht, „Von dem verrückten Bausys-tem“, wie er sagt, ist Hensch mittlerweile absolut begeistert. „Es passt in den Wald, ist naturnah und erfüllt zu vergleichsweise niedrigen Kosten alle erforderlichen statischen Vorrausetzungen“. „Bei dem System handelt es sich um eine mit Geogittern rückverhängte Wandkonstruktion“, erläutert Erhard Luce von der Herstellerfirma Tensar International GmbH aus Bonn. Zur Errichtung der Außenwand des Tigergeheges werden insgesamt ca. 1.300 m² Ansichtsfläche des Systems Tensar Wall eingebaut.

Dieses System besteht aus mehreren Komponenten, die exakt aufeinander abgestimmt sind. Hierbei wird der bewehrte Erdkörper mit einer Front aus Betonstapelsteinen gesichert. Diese Steine werden im dahinter einzu-bauenden Füllboden mit einaxial gestreckten Tensar Geogittern rückverankert. Die Bemessung eines solchen Systems erfolgt durch den Hersteller nach genauer Kenntnis der Randbedingungen, wie z.B. Bodenkennwerte des Verfüll- und Hinterfüllmaterials, relevante Lastannahmen und die Beschaffenheit des Untergrundes. Mit Hilfe einer speziellen Bemessungssoftware werden dann die für die Standsicherheit des Gesamtsystems erforderlichen Geogitter berechnet. „Die Funktionsweise und vor allen Dingen auch die Sicherheit eines solchen Systems unter Verwendung der speziellen, einaxial gestreckten Tensar Geogitter wurde bei vielen Baumaßnahmen weltweit unter Beweis gestellt“, so Tensar-Sprecher Luce.

Experten zeigten sich vor Ort beeindruckt davon, wie schnell und ohne großen Personalaufwand dieses komplexe, bautechnisch anspruchsvolle Vorhaben Gestalt annimmt. „Hinzu kommt, dass ein herkömmliches Bauverfahren, wie z.B. eine Spundwand oder eine Winkelstützmauer, weitaus teurer wären und diese niemals so naturgetreu hätten gestaltet werden können “, freut sich Kalisch, der - wie der Zoodirektor und auch Jörg Fergin, Raab Karcher Baustoffe GmbH, - in der Region Eberswalde zuhause ist. Alle drei sind davon überzeugt, dass sich die Vorteile dieses alternativen Bauverfahrens schnell herumsprechen werden. „Die Tigeranlage ist ein Vorzeigemodell. Andere internationale Zoos werden nachziehen wenn unser tolles Tigerpaar nächsten Frühsommer ihr Fünf-Sterne-Quartier bezogen haben“, sagt Jürgen Kalisch.