Einführung
Ein wachsendes Verkehrsaufkommen und die dadurch erforderlichen Straßenverbreiterungen bewirken einen stetig steigenden Flächenbedarf bei gleichzeitig sinkenden Flächenressourcen. Zur Minimierung des Flächenbedarfs werden deshalb vermehrt übersteile Böschungen und Stützkonstruktionen erforderlich. Dies ist nur mit Konstruktionen möglich, die hohe ökonomische und ökologische Anforderungen erfüllen können. Die Herstellung und Unterhaltung einer solchen Konstruktion sollte kostengünstig sein. Weiterhin sollte eine optimale Anpassung der Ansichtsfläche des Bauwerkes an die umgebenden Bauten gewährleistet sein.
Diese Kriterien werden von konventionellen Schwergewichtsmauern nur schwer erfüllt. Planer und Auftraggeber suchen daher häufig nach alternativen Lösungen zur Gestaltung von Geländesprüngen, die den oben genannten Anforderungen gerecht werden. Genau diese Kriterien werden durch geogitterbewehrte Stützkonstruktionen erfüllt. Es existieren verschiedene Systeme, durch die die Ansichtsfläche entweder vollflächig mit Betonelementen oder aber durch Elemente mit Humuskammern, die entsprechend der geographischen Gegebenheiten bepflanzt werden können, ausgebildet wird. Dadurch und durch die Wahl verschiedener Oberflächenarten und Farben ist eine sehr gute Anpassung an die jeweiligen örtlichen Rahmenbedingungen möglich.
Bei solchen Konstruktionen spielt die Verbindung zwischen der Bewehrung und der Außenhaut eine große Rolle. Der Anschluss der Geogitter an die Betonfertigteile erfolgt immer nach dem gleichen Prinzip: Werkseitig werden kurze Anschlusstücke in die jeweiligen Betonteile einbetoniert. Vor Ort erfolgt dann die Verbindung an die eigentlichen Bewehrungslagen mittels einer Steckverbindung, durch die eine 100%ige Kraftübertragung gewährleistet ist und die sehr schnell und einfach herzustellen ist (Abbildung 1). Möglich ist dies wegen der Stabilität der Geogitter aus dem Rohstoff Polyethylen hoher Dichte (PEHD) auch im extrem basischen Milieu (pH > 12), d.h. eine Beständigkeit des Materials ist auch bei Einbetonierung dauerhaft gegeben.
 Abbildung 1: Prinzipskizze der Verbindung
Zwei Baumaßnahmen sollen beispielhaft die Möglichkeiten von geogitterbewehrte Stützkonstruktionen mit Schwerpunkt auf der optimalen örtlichen Anpassung darstellen.
Projekt A8 Wels – Sattledt
In den Jahren 2001 bis 2002 wurden entlang der A8 Innkreis-Autobahn bei Wels zur Abstützung des Geländes sieben geogitterbewehrte Stützkonstruktionen mit einer Gesamtansichtsfläche von 17.000 m² und Wandhöhen von maximal 12 m errichtet.
Auf Grund der besonderen gestalterischen Vorgaben des Auftraggebers, der Österreichische Autobahnen- und Schnellstraßen AG (ÖSAG), wurden speziell für dieses Projekt vom Betonwerk Rieder GmbH, Maishofen (A) eine Sonderlösung mit großformatigen begrünbaren Betonfertigteilen hergestellt.
Jedes einzelne Betonfertigteil wurde mit einaxial gestreckten Tensar Geogittern rückverankert. Hierfür wurden werkseitig Geogitteranschlussstücke in die Fertigteile einbetoniert. Auf der Baustelle wurden die Hauptbewehrungslagen kraftschlüssig mittels Steckstäben mit den Anschlussstücken verbunden.
Zusätzlich befindet sich hinter der sichtbaren Außenhaut eine Polsterwand aus hochzugfestem Gewebe, die mit der Umschlagmethode errichtet wurde und zur Geländeabstützung dient. Hierdurch kann gegebenenfalls, wie vom Auftraggeber gefordert, die Außenhaut aus Betonfertigteilen demontiert werden, ohne dass ein Abtrag des gesamten Hanges notwendig würde.
Mit dieser Außenhautvariante, aber auch mit den Standardbetonfertigteilen NEW Junior und NEW Midi der Firma Rieder GmbH, können begrünbare Stützkonstruktionen mit einer Neigung von bis zu 86° hergestellt werden. Die großen Humuskammern ermöglichen auf einfache Weise eine jeweils an die Situation bzw. an das Landschaftsbild angepasste Bepflanzung. Darüber hinaus wirkt sich die offene Struktur mit einem geringen Anteil an Betonflächen sehr günstig auf das Schallschluckverhalten aus. Diese begrünbaren Stütz- und Lärmschutzsysteme bieten eine hervorragende Alternative zu den optisch wenig ansprechenden Schwergewichtswänden bzw. Winkelstützmauern.
Insgesamt wurden bei dieser Baumaßnahme ca. 150.000 m² einaxial gestreckte Tensar RE-Geogitter in unterschiedlichen Zugfestigkeiten sowie ca. 80.000 m² hochzugfeste Gewebe eingebaut.

Abbildung 2: Bewehrte Stützkonstruktion Sattledt nach Fertigstellung
(Bild: Peter Fuchs)
Projekt Pongau
Für die Erschließung eines neuen Gewerbegebietes musste im Jahr 2000 eine Anschlussstelle zur Bundesstraße B 311 gebaut werden. Bei den sich durch die beengten Platzverhältnisse ergebenden Rampen waren fast senkrechte Stützkonstruktionen unerlässlich. Hierbei mussten neben den Baukosten auch gestalterische Belange berücksichtigt werden. Da eine Ausführung in Massivbauweise auf allgemeinen Widerstand stieß und diese zudem mit höheren Kosten verbunden gewesen wäre, entschied sich die Stadtgemeinde St. Pongau für das NEW MIDI-Stützwandsystem vom Betonwerk Rieder GmbH, Maishofen (A), das mit Tensar Geogittern rückverhängt wird. Durch die großen Humuskammern der Betonstapelsteine wird eine optimal an das Landschaftsbild angepasste Begrünung erreicht.
Dieses System zeichnet sich neben geringen Kosten vor allem durch seinen niedrigen Betonanteil in der Ansichtsfläche aus.
Es war der Bau sechs solcher Wände mit einer maximalen Höhe von 4,66 m und einer darüber liegenden Böschung von etwa 30° bei einer Höhe von bis zu 4,50 m erforderlich. Die Rückverankerung der Betonpaneele wird durch einaxiale Tensar Geogitter mit einer maximalen Einbindelänge von 3,5 m sichergestellt. Insgesamt wurden Ansichtsflächen mit ca. 2.500 m² errichtet.
Die Verlegung des Systems ist einfach. Die NEW MIDI-Elemente werden mittels Bagger und Klauengehänge versetzt. An das werkseitig einbetonierte Tensar-Anschlussstück der Elemente wird das Tensar Geogitter zur Rückverankerung mit der in Abbildung 1 abgebildeten Steckstabverbindung schnell und einfach angeschlossen, ausgerollt und straff gezogen. Lage für Lage wird geeignetes Verfüllmaterial in Verbindung mit dem Tensar Geogitter eingebaut und auf die vorgeschriebene Proctordichte verdichtet.

Abbildung 3: Geogitterrückverankerte Stützkonstruktion Pongau/A nach Fertigstellung
(Bild: Peter Fuchs)
Weitere Informationen:
Tensar International GmbH
Brühler Straße 9
D-53119 Bonn
Tel. +49 (0) 2 28/913 92-0
Fax +49 (0) 2 28/913 92-11
E-Mail: vertrieb@tensar.de

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