Aufgrund des zunehmenden Kostendrucks in der Bauwirtschaft und dem Sparzwang der öffentlichen Haushalte finden geokunststoffbewehrte Stützkonstruktionen als alternative Baulösung inzwischen allgemeine Akzeptanz. Der Einsatz von Geogittern zur Herstellung von Stützkonstruktionen ermöglicht eine vielfältige Gestaltung der Front und dadurch eine ideale Anpassung an die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten. Fast alle Bauaufgaben im Stützkonstruktionsbereich sind mit Geogittern realisierbar.
Unsere Aufmerksamkeit richtet sich nicht nur auf die allgemeine Standsicherheit der Konstruktion, sondern auch auf die sichere und dauerhafte Verbindung von Bewehrungs- und Frontelementen. Die Zugfestigkeit der Verbindung muss ausreichend groß sein, um dem auf die Frontelemente wirkenden Erddruck für die Lebensdauer des Bauwerkes standzuhalten. Daher sollte der Anschluss bzw. die Verbindung von Frontelementen und Bewehrungselementen direkt kraftschlüssig erfolgen, um eine bestmögliche Kraftübertragung zwischen beiden Komponenten zu gewährleisten. Dies ist vor allem bei starren, nicht verformbaren Frontelementen, wie z.B. Betonpaneelen, von großer Bedeutung, da hier die höchsten Beanspruchungen (Erddruck) zu erwarten sind. Voraussetzung für eine dauerhafte und standsichere Konstruktion ist die Abstimmung der Bewehrungs- und Frontelemente sowie der Verbindung. Tensar International bietet Ihnen Systemlösungen mit optimal aufeinander abgestimmten Komponenten. Nachfolgend werden anhand von drei Projektbeispielen Systemlösungen mit unterschiedlichen starren Frontelementen sowie verschiedenen Anschlussmöglichkeiten der Tensar Geogitter an die Frontelemente vorgestellt.
Bauvorhaben Sinzheim: System Tensar Wall – Bauzeit 2003 bis 2004
An der Aus- und Neubaustrecke der Deutschen Bahn AG von Karlsruhe nach Basel musste in der Ortslage Sinzheim gemäß Planfeststellungsbeschluss ein Schallschutzwall mit einer Höhe von max. 7,00 m über Schienenoberkante errichtet werden. Zur Gleisseite war am Lärmschutzwall eine bis zu 4,5 m hohe Winkelstützmauer vorgesehen. Auf Grund von Wirtschaftlichkeitsaspekten und Terminzwängen entschied sich der Auftraggeber für eine Kombination aus Lärmschutzwall und geogitterbewehrter Stützkonstruktion nach dem System Tensar Wall.
Bei dem System Tensar Wall wird der frontseitige Abschluss der bewehrten Stützkonstruktion durch nach dem Nut-Feder-Prinzip konstruierte Betonstapelsteine ausgeführt. Die einaxial gestreckten Tensar Geogitter werden mit Hilfe eines speziellen Verankerungskeils in die Fugen (Nut) der Steine schlupffrei eingehängt (vgl. Bild 1). Hierdurch entsteht eine kraftschlüssige und zugfeste Verbindung.
Auf Wunsch des Bauherrn wurden die Betonstapelsteine in der Farbe „terrament“ (rotbraun) produziert, um eine bestmöglich Harmonie mit einer bestehenden Lärmschutzwand aus Paneelen zu erreichen (vgl. Bild 2).

Bild 1: Darstellung der Verbindung zwischen Betonstapelstein und Geogitter

Bild 2: Darstellung der fertig gestellten geogitterbewehrten Stützkonstruktion
Bauvorhaben Selzthal: System Tensar Betonpaneele und Ebenseer NEW – Bauzeit 2004
Die bestehende niveaugleiche Eisenbahnkreuzung im Bereich des Ortes Selzthal auf der Strecke Amtstetten – Tarvis (Österreich) sollte durch eine Straßenüberführung ersetzt werden. Aufgrund beengter Platzverhältnisse wurden beide Dammflanken als geogitterbewehrte Stützkonstruktionen geplant, um so eine maximale Neigung der Außenhaut von 88° zu erzielen. Die Rampen erreichen an der Brücke eine Höhe von ca. 7,0 m.
Beiden Rampen wurden mit geogitterrückverhängten Betonpaneelen sowie geogitterrückverhängten bepflanzbaren Betonfertigteilen erstellt (vgl. Bild 3). Um große Setzungen und insbesondere Setzungsdifferenzen zu vermeiden, wurden zur Verbesserung des wenig tragfähigen Untergrundes Rüttelstopfsäulen hergestellt.
Sowohl in die Betonpaneelen als auch in die Betonfertigteile wurden werkseitig kurze Geogitterstücke einbetoniert. Die Verbindung von Geogittern und Beton ist aufgrund des Rohstoffes Polyethylen hoher Dichte (PEHD) möglich. Nach Aufstellen und Abstützen der Betonpaneele an der Einbaustelle und dem lagenweise Einbau des Verfüllmaterials erfolgte mittels eines Tensar Steckstabs der kraftschlüssige Anschluss der Hauptbewehrung an die einbetonierten Geogitteranschlussstücke. Die Bereiche, in denen eine spätere Begrünung der Ansichtsfläche gewünscht war, wurden mit geogitterrückverhängten, bepflanzbaren Betonfertigteilen errichtet. Der Anschluss der Hauptbewehrungslagen an die kurzen, in die Betonfertigteile einbetonierten Geogitterstücke erfolgte ebenfalls kraftschlüssig mit einem Tensar Steckstab.
 Bild 3: Darstellung der Konstruktion in der Bauphase
Bauvorhaben K 65 Grumbach: System Tensar Natursteine – Bauzeit 2004
Im Zentrum des Ortes Grumbach bei Kaiserslautern kam es zum Teileinsturz einer historischen Natursteinmauer. Ziel der Sanierung war die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands.
Die Ansichtsfläche der Mauer wurde mit vorhandenen Sandsteinen, die gleichzeitig als Schalung dienten, errichtet. Hinter dieser Front aus Sandsteinen wurde eine Ortbetonwand mit einer Rückverankerung durch Geogitter hergestellt (vgl. Bild 4). Hierfür wurden kurze Geogitterstücke an die Stabstahlbewehrung der Ortbetonwand angeschlossen und einbetoniert. Nach dem lagenweise Einbau und der Verdichtung des Verfüllmaterials wurden die Hauptbewehrungslagen verlegt und mittels eines Tensar Steckstabs mit den Geogitteranschlussstücken kraftschlüssig verbunden.
Durch die Rückverankerung der Stützkonstruktion mit Geogittern und der Verwendung von lokal vorhandenem Steinmaterial konnte der historischen Mauer ihre ursprüngliche Optik mit Natursteinmauer zurückgegeben werden.

Bild 4: bewehrte Stützkonstruktion während der Sanierungsphase

|